ZusammenfassungAutor: Arnold Picot und Christoph Janello
Die Buchbranche, seit Jahrhunderten strukturell unverändert, wird im Internetzeitalter mit vollkommen neuen Trends und Entwicklungen konfrontiert. Neue Technologien lassen Kosten für Herstellung und Distribution sinken, auf diese Weise entstehen bisher ungekannte Erstellungs- und Vertriebsmodelle für Buchinhalte. Für Musik haben sich digitale Inhalte und entsprechende Abspielgeräte im Massenmarkt etabliert. Für digitale Bücher sind ähnliche Entwicklungen zu erwarten. Das Ausmaß der Veränderungen und ihre Auswirkungen genauer zu untersuchen, war das Ziel des vom Bildungsministerium geförderten interdisziplinären Forschungsprojekts „intermedia“. In diesem Rahmen führte das Institut für Information, Organisation und Management der Ludwig- Maximilians- Universität (LMU) München von Oktober 2006 bis Juni 2007 auf Basis der Befragung von 126 Buchmarktexperten eine Studie durch.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass der Einfluss neuer Internet- Technologien und -angebote bestimmte Buchmarktsegmente im Besonderen trifft und neben Herausforderungen auch neue Chancen bedeutet.
Die Herausforderung besteht insbesondere für die Wertschöpfungsaktivitäten, die der erstmaligen Herstellung eines Buches folgen: Die elektronische Bereitstellung der fertigen Bücher sowie die Anbahnung und der Vertrieb gedruckter wie elektronischer Bücher. Internet-Suchmaschinen übernehmen eine zentrale Rolle in der Anbahnung von Buchtransaktionen, die sowohl in Form von klassischen als auch elektronischen Büchern stattfinden können. Die Digitalisierung betrifft nicht alle Warengruppen der Buchbranche im gleichen Maße, fordert jedoch in den betroffenen Segmenten ein radikales Umdenken, da die klassischen Preisund Refinanzierungsmodelle nicht mehr funktionieren. Sogar der direkte Weg vom Autor zum Leser, unter Umgehung der gesamten Buchindustrie, ist möglich.
Die technologischen Innovationen wie Digitalisierung und Vernetzung verändern die Struktur der Buchbranche insbesondere in Hinsicht auf die Transaktionsanbahnung, den Kauf und die Distribution von Büchern. Hier findet eine Verlagerung hin zu internetbasierten Diensten statt. E-Books sind insbesondere in der Fachinformation von steigender Bedeutung und ermöglichen neue Modelle der Erlösgenerierung.
Eine Chance der neuen Entwicklung liegt etwa darin, durch die im Internet unbegrenzte Verkaufsfläche auch weniger nachgefragte Werke bereitzustellen und an eine globale Zielgruppe in höherer Stückzahl zu verkaufen. Außerdem lassen sich durch elektronische Buchausgaben mit neuen Erlösmodellen bisher unerschlossene Zahlungsbereitschaften erschließen.

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