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Werbe-Tracking (Wiederholungsbefragung, Wellenbefragung, Kampagnenverlaufsstudie)

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Werbe-Tracking (Wiederholungsbefragung, Wellenbefragung, Kampagnenverlaufsstudie)

Eine Befragung, bei der während des Verlaufs einer Werbekampagne mehrere (mindestens zwei, meist aber mehr) Stichproben derselben Grundgesamtheit befragt werden, ist eine Wellenerhebung oder Verlaufsstudie. Pro Welle werden jeweils neue Stichproben gezogen, deren demografische – und ggf. produktspezifische – Strukturen gleich sind. Methodisch gesehen handelt es sich bei Kampagnen-Trackings (Kampagnen-Monitoren) im Gegensatz zu einem Panel um eine Wiederholungsbefragung oder Trenderhebung.
 
"Advertising tracking" hat in den USA heute eine etwas andere Bedeutung als in Europa. Ursprünglich sprachen die Amerikaner von "tracking" bei allen Formen der Rücklaufwerbung, wenn es also beispielsweise darum ging festzustellen, wie viele Kaufakte Coupons in einer Zeitschriftenanzeige ausgelöst hatten. Inzwischen bezeichnet Werbe-Tracking in Amerika ähnlich wie in Europa alle Formen der kontinuierlichen Beobachtung von Werbewirkungen im Verlauf einer konkreten Werbekampagne.
 
Die Idee des Werbe-Tracking stellt einen Versuch dar, ein Dilemma der klassischen Werbewirkungsforschung zu überwinden. Die vom Behaviorismus geprägte klassische Forschung betrachtete ja das gesamte Werbegeschehen als eine Black Box, deren Inneres nur nach dem Reiz-Reaktions-Schema erschlossen werden konnte. Ein auslösender Reiz vor der Black Box führte hinterher zu einer Reaktion. Folglich erforschte die klassische Werbeforschung die Wirkungen von Werbung mit Hilfe von Pretests und Posttests. Solange man keinen Zweifel daran hatte, dass Werbung nach diesem hierarchischen Muster – man gibt "oben" die Werbung ein, und "unten" kommt die Wirkung heraus – funktioniert, gab es keinerlei Gründe, an diesem Schema zu zweifeln.
 
Aber inzwischen weiß man, dass Werbung auf diese simple Weise nicht funktioniert, und deshalb auch ist dieses Messverfahren in höchstem Maße ungenügend. In der konkreten Marktforschungspraxis läuft das Werbe-Tracking darauf hinaus, dass in mehreren Befragungswellen gleichartige Stichproben von Zielpersonen zu einer konkreten Werbekampagne befragt werden, um so herauszufinden, ob sich seit Beginn der Kampagne bei den Befragten etwas geändert hat, ob also die Kampagne Wirkungen ausgelöst hat. Dabei hat es sich eingebürgert, nur in diesem Fall von einem Werbe-Tracking zu sprechen. Das ist zwar nicht zwingend, aber eingebürgert hat es sich trotzdem.
 
Das ideale Instrument zur Beobachtung und Kontrolle von Veränderungen – auch von Werbewirkungen – in der Markt- und Mediaforschung sind eigentlich Panels, also Stichproben von identischen Zielpersonen, denen man in mehreren Befragungswellen immer dieselben Fragen stellt. Das Instrument ist ganz hervorragend geeignet, um Einstellungsänderungen zu erkennen und zu analysieren. Sofern es bei Befragungen darum geht, durch den Einsatz von Werbung Einstellungsänderungen hervorzurufen, wären Panels auch ein hervorragendes Instrument, um sie zu messen. Sie haben indes des Nachteil, dass sie in vielerlei Hinsicht für die Befragten eine Atmosphäre schaffen, in der sie durch andauernde Exposition zu bestimmten, in die Untersuchung einbezogenen Werbebotschaften so sehr konditioniert würden, dass dadurch die Gesamtergebnisse verzerrt würden.
 
Deshalb werden beim Werbe-Tracking auch die Einstellungsänderungen ebenso wie alle anderen Analysegegenstände durch Wiederholungsbefragung gemessen. Man sollte allerdings deutlich darauf hinweisen, dass dies ein Nachteil ist. Ein Panel könnte in vielen Fällen die Fragestellungen verlässlicher beantworten, weil es das sensiblere Messinstrument ist.
 
Die Verheißungen, die sich mit Tracking-Studien verknüpfen, sind meistens grandios. Man könne mit diesem Instrument eine Werbekampagne in ihrem gesamten Verlauf einer ständigen Erfolgskontrolle unterziehen und laufende Korrekturen in der Kampagne vornehmen, heißt es oft. Der früher einmal für dieselbe Sache übliche Terminus "Kampagnen-Verlaufskontrolle" oder auch "Kampagnen-Monitor" deutet darauf hin. Es ist gewissermaßen die Reparatur des Rennwagens bei laufendem Motor und auch noch ohne Boxenstopp möglich. Selbst wenn eine Kampagne sozusagen auf dem linken Fuß anfängt, lasse sich mit Hilfe von Tracking das Ruder noch herumwerfen, und aus einem langweiligen Werbefeldzug wird am Ende ein Meisterwerk der wirkungsstarken Kommunikationskunst. So weit die Hoffnungen und die vollmundigen Versprechungen der Anbieter.
 
Doch in der wirklichen Wirklichkeit hängen die Trauben meist etwas höher. Die alles entscheidende Frage ist zugleich das Fundamentalproblem der Werbewirkungsforschung: Wie definiert und wie operationalisiert man Werbewirkung? Hieran scheitern viele der auf dem Markt verbreiteten, kommerziellen Tracking-Angebote.
 
Wenn die entscheidenden Fragen nach der Werbewirkung falsch gestellt, schlecht operationalisiert sind und dann auch noch irreführend interpretiert und analysiert werden, dann helfen auch eine Vielzahl von Befragungswellen in kurzen Abständen und auch eine große Vielfalt von Fragen nicht. Heraus kommen dann immer nur "Befunde", die keine Ergebnisse sind. Daten ohne Fleisch, Zahlen ohne Wert, Ergebnisse, mit denen man nichts anfangen kann.
 
Alle auf dem Markt befindlichen Tracking-Studien sind Posttests. Sie gehen davon aus, dass der Einsatz von Stimuli (der Werbung) zu Reaktionen auf dem Markt (der Werbewirkung) führt. Und diese Reaktionen messen sie sequenziell: Jede Änderung, die "nachher" eintritt, wird als Wirkung der "vorher" erfolgten Werbemaßnahmen interpretiert, obwohl eine Ceteribus-paribus-Konstellation in der Realität in den seltensten Fällen besteht und die "Wirkung" ganz und gar andere Ursachen haben kann. Ihre Grenzen sind daher dieselben wie die aller Black-Box-Modelle: Darüber, was eine konkrete Werbekampagne leistet, wüsste man nur ganz genau Bescheid, wenn man herausfinden könnte, was in der "Black Box" wirklich vorgeht. Dafür stehen jedoch bestenfalls Indikatoren bereit.
 
Selbst der allereinfachste denkbare Fall ist komplizierter, als er auf den ersten Blick erscheint: Angenommen, im Anschluss an eine Werbekampagne steigen die Abverkäufe eines Produkts deutlich an, dann wirft dies eine Reihe von Frage auf:
 
• War es tatsächlich die Werbekampagne, die diesen Markterfolg ausgelöst hat, oder wäre er auch ohne sie eingetreten?
 
• Hätte man nicht einen noch größeren Markterfolg mit einer etwas anderen Kampagne oder einem etwas stärkeren Werbedruck erreichen können? Wurde nicht umgekehrt der eigene Werbeerfolg durch den wesentlich höheren Werbedruck eines Wettbewerbers beeinträchtigt?
 
• Wie ist die langfristige Wirkung der Kampagne, auf die es in der Regel mehr ankommt als auf die kurzfristigen Abverkaufserfolge?
 
Wenigstens Teilaspekte dieser Grundsatzfragen lassen sich mit Hilfe von Tracking-Untersuchungen gar nicht mal so schlecht beantworten. Ihr Ziel ist es also, über die rein ökonomischen Umsatzwirkungen hinaus auch die psychologischen Wirkungen einer Werbekampagne bei den Verbrauchern zu erheben. Zu diesem Zweck werden die Verbraucher in kampagnenbegleitenden Umfragen in mehreren Wellen befragt. Tracking-Studien sind also kontinuierliche Wellenerhebungen, die in regelmäßigen (halbjährlichen, monatlichen oder – im Prinzip auch denkbar – wöchentlichen) Abständen als Posttests durchgeführt werden. Die Erhebung erfolgt bei einer repräsentativen Stichprobe (von meist 200 bis 500 wechselnden Personen) durch (persönliche oder telefonische) Interviews.
 
In der Regel sollen die Tracking-Tests folgende Fragen beantworten: (1) Welche Wirkung wird mit dem je gegebenen Werbeaufwand absolut erreicht? (2) Wie reagieren die untersuchten Werte auf Änderungen beim Werbeaufwand? (3) Wie verändern sich die Werte im Zeitverlauf? (4) Sind die beobachteten Veränderungen einmalige Ereignisse oder handelt es sich um eindeutige Trends?
 
Dabei richtet sich das Werbe-Tracking meist an die "relevante Zielgruppe" der Marktkommunikation. Normalerweise sind das die Verwender der jeweils untersuchten Produktkategorie. Geht es beispielsweise um die Kampagne für einen Schokoriegel, wählt man eine Stichprobe von regelmäßigen Schokoriegelkäufern. In gesättigten Märkten, in denen es im Wesentlichen um Marktanteile geht, ist das vernünftig. Aber natürlich kann es in neuen, stark wachsenden Märkten auch sinnvoll sein, in die Stichprobe Personen einzubeziehen, die das neue Produkt noch nicht nutzen.
 
Die entscheidende Frage ist: Wie werden im Werbe-Tracking die Untersuchungsziele operationalisiert, um die Wirkung von konkreten Kampagnen zu erkennen? Und an haarscharf diesem Punkt liegt in aller Regel und in vielen Einzelfällen der Hase im Pfeffer. Denn gemessen wird in den Studien nicht die Werbewirkung selbst, sondern eine Reihe von Indikatoren der Werbewirkung. Das ist bei standardisierten Befragungen zwar ganz und gar unvermeidlich, aber es ist auch nicht gerade zwingend. Denn man könnte durchaus auch die nackte Werbewirkung als solche messen. Dazu müsste man allerdings die genauen Werbeziele herauskristallisieren. Und die sind von Fall zu Fall und von Kampagne zu Kampagne verschieden – also nicht geeignet für eine standardisierte Befragung.
 
Um einen verbreiteten Denkfehler bei der Interpretation von Werbewirkungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, genau zwischen drei grundlegenden Aspekten der Werbewirkung zu unterscheiden:
 
(1) Wirkungsvoraussetzungen: Das sind alle Faktoren, ohne die Werbung überhaupt gar keine Wirkung entfalten kann. Dazu zählt vor allem ihre Aufmerksamkeitswirkung . Werbung, auf die niemand aufmerksam wird, kann auch nicht wirken. Das ist nur scheinbar eine Binsenweisheit; denn die Verwechslung von Aufmerksamkeitswirkung und Werbewirkung ist in Praxis und Theorie gang und gäbe. Ein Werbespot, der eine hohe Aufmerksamkeit erzielt, hat noch keinerlei Werbewirkung ausgelöst. Aber er erfüllt natürlich die allerbesten Voraussetzungen dafür.
 
(2) Werbewirkung im engeren Sinn (Erinnerungswirkungen): Um zu messen, ob Werbung die Kommunikationsziele erreicht, die sie erreichen soll, greift die Werbeforschung auf Indikatoren der Werbewirkung zurück. So misst man zum Beispiel die Erinnerung an die beworbene Marke oder die Erinnerung an das beworbene Produkt oder die Erinnerung an Einzelheiten der Anzeige wie zum Beispiel den Slogan. Diese Indikatoren haben in der Bewertung von Werbewirkung denselben Stellenwert wie Indizien im Gerichtsverfahren. Sie sind nicht dasselbe wie ein Beweis, aber sie liefern deutliche Hinweise. Und sie haben den unbestreitbaren Vorzug, dass sie messbar sind. Man erhält so quantitative Wirkungswerte, die Vergleiche gestatten.
 
(3) Werbewirkung im weiteren Sinn (Assoziationswirkungen): Das sind qualitative Wirkungen, die vielfach nur sehr diffus zu definieren und nicht minder schwer zu messen sind. Hierzu zählen Wirkungsaspekte wie die Anmutungsqualität oder das Image einer Marke, das Prestige eines Unternehmens oder die Ausdrucksstärke eines Bildes.
 
Jede konkrete Tracking-Untersuchung und jedes konkrete Tracking-Modell hat seine besonderen Eigenschaften und Eigenarten. Aber im Allgemeinen werden im Rahmen von Werbe-Tracking-Studien standardmäßig die folgenden Indikatoren der Werbewirkung gemessen:
 
• die Bekanntheit einer Marke,
• die Erinnerung an Markenwerbung,
• die Erinnerung an bestimmt Inhalte von Markenwerbung,
• die Erkennung der Aussage einer Werbebotschaft,
• die Einstellung zur Marke bzw. zur Werbung für eine Marke,
 
• das Image einer Marke,
• das Gefallen einer Marke,
• die Markenpräferenz,
• Kaufabsichten.
 
Welche und wie viele dieser und ähnlicher Indikatoren in eine Untersuchung einbezogen werden, variiert von Institut zu Institut und hängt natürlich auch von dem jeweiligen Untersuchungszweck ab. Es ist selbstverständlich auch eine Frage des Geldes. Denn Werbe-Tracking ist teuer. Werbe-Tracking ist also ein Privileg, das sich vor allem die Big Spenders unter den Werbungtreibenden leisten können.
 
Selbst dann ist das Tracking wie die ganze Werbewirkungsforschung auch ein Wagnis, bei dem es von Fallstricken nur so wimmelt. So wird Werbewirkung in der Regel über Indikatoren wie Recall oder Werbe-Awareness erhoben. Die Folge: Befragte behaupten mehrheitlich, sie hätten eine bestimmte Werbung im Fernsehen gesehen, auch wenn sie sie in Wahrheit im Radio gehört oder in einer Anzeige gelesen haben, TV-Bias. Kein Wunder, dass Werbe-Trackings bei den Vermarktern von Fernsehwerbung so beliebt sind.
 
Zu einer ähnlichen Kategorie von Erinnerungsverzerrungen gehört der meist eng begrenzte Zeitrahmen von Tracking-Untersuchungen. Selbst wenn er sich über die gesamte Laufzeit einer Kampagne erstreckt, so vernachlässigt er eben doch die längerfristigen Werbewirkungen, die für den Aufbau einer Marke so wichtig sind. Langfristige Werbewirkungen werden in Tracking-Untersuchungen unter den Tisch gekehrt. Auch dies führt zu einer dramatischen Verzerrung: transitorische Medien schneiden systematisch besser ab als statuarische Werbeträger, die noch Wochen und Monate nach Abschluss einer Kampagne fleißig Kontakte aufbauen können, obwohl keine Tracking-Studie davon noch etwas merkt.
 
Als Ergebnis einer jeden Tracking-Untersuchung werden am Ende die Verlaufskurven des Werbe-Recalls und der Werbeaufwendungen gegenübergestellt. Doch die damit implizierte Kausalität der Beziehung zwischen Werbeaufwand (= Werbeaufwendungen) und Werbewirkung ist natürlich hoch problematisch. Denn selbstverständlich ist die Wirkung der Werbung nicht allein von den Werbeausgaben, sondern auch vom Einsatz aller übrigen Instrumente des Marketing-Mix abhängig. Und ganz selbstredend spielen qualitative Komponenten wie etwa die kreative Umsetzung eines Werbekonzepts oft eine größere Rolle als die Menge des eingesetzten Geldes. Alles in allem sind also auch die unmittelbaren Erkenntnisse aus einer Tracking-Untersuchung bestenfalls von begrenztem Wert.
 
Von größerem Wert als die unmittelbaren quantitativen Befunde sind im Grunde die im Verlauf vieler Jahre praktischen Werbe-Trackings aufgebauten intensiven Erfahrungen eines Instituts und die in seinen Jahr für Jahr kumulativ vergrößerten Datenbanken gesammelten Erkenntnisse mit Marken verschiedener Produktarten und -kategorien.
 
Grundsätzlich lassen sich zwei Typen von Tracking-Angeboten unterscheiden:
 
(1) Maßgeschneiderte Tracking-Studien, die auf einen einzelnen Kunden zugeschnitten sind: Trackings, die auf den einzelnen Kunden zugeschnitten sind, erlauben diesem die größtmögliche Einflussnahme: Von der terminlichen Festlegung der Erhebungswellen bis hin zur Definition der Zielgruppen kann im Prinzip alles auf die eigene Kampagne abgestimmt werden. Das hat den Vorteil: Das Instrument erhebt genau die Parameter, die für das Kampagnencontrolling des einzelnen Kunden von Relevanz sind. Derartige Trackings sind bei gleichzeitiger Betrachtung der relevanten Konkurrenzmarken, bei mehreren Erhebungswellen, bei ausreichend hohen Fallzahlen allerdings sehr kostenintensiv.
 
(2) Standardisierte Werbe-Trackings: Sie sind in erster Linie als Serviceinstrument angelegt und für den Kunden oft sogar kostenfrei, auf jeden Fall jedoch recht kostengünstig. In der Regel sind standardisierte Trackings, die von Werbeträgern angeboten werden, kostenfrei. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Trackings, die von Marktforschungsinstituten angeboten werden. Sie sind auf jeden Fall kostengünstiger als Spezialstudien, weil sie ja nach dem Muster von Mehrthemenbefragungen belegt werden können.
 
Alle standardisierten Trackings sind in Bezug auf den Untersuchungszeitraum, den Erhebungsrhythmus, die Abfrage der Wirkungsmaße festgelegt. Ihre Standardisierung bietet jedoch den Vorteil, dass generalisierende Analysen zur Werbewirkung durchgeführt werden können, und zwar auf breiter Datenbasis. Neben den Analysen für eine spezifische Kampagne liefern standardisierte Instrumente den Werbungtreibenden und Unternehmen damit wertvolle Informationen für eine optimierte Mediaplanung.
 
Standardisierte Tracking-Instrumente beschränken sich in aller Regel auf eine relativ beschränkte Auswahl der gebräuchlichsten Werbewirkungsindikatoren.
 
Praktisch alle standardisierten Trackings sind kontinuierliche Studien. Zu den bekanntesten kontinuierlichen Tracking-Studien in Deutschland zählen der Werbewirkungskompass (WWK) von IP Deutschland, der Niko-Werbe-Index, der AdTrend des Fernsehsenders SAT.1, der Media Observer von TMP, Emnid adeffect, der GfK-Werbeindikator/ATS*, der lcon AdTrek, der Stochastic Reaction Monitor (SRM) von Imas, der Inra AdverTimer, das lpsos GIP Getas Impact-Profil, der IVE Werbemonitor, das Advanced Tracking Programme von Millward Brown (ATPTM) und der Ad-Effect von RSG.
 
Diese Untersuchungen werden zudem meistens exklusiv erhoben, d.h. nur für einen Auftraggeber und damit auch nur für einen Produktbereich. Ausnahmen bilden das Inra AdverTiming, das auch von mehreren Kunden gleichzeitig, quasi als Bus belegt werden kann, und GfK und Millward Brown, die Multi-Client-Untersuchungen anbieten, sofern es sich um den gleichen Produktbereich handelt.
 
Die individuell belegbaren Tracking-Instrumente bieten zur Messung der Werbewirkung und zur Diagnose Standardtools an. Gleichzeitig können bei allen diesen Instrumenten Zusatzfragen, sei es aus einem bestehenden Portfolio oder kundenindividuell, aufgenommen werden.
 
Wird bei den individuell belegbaren Tracking-Instrumenten, mit Ausnahme von Inra AdverTiming, meistens die jeweilige Marketing-Zielgruppe bzw. eine vom Auftraggeber bestimmte Zielgruppe als Grundgesamtheit definiert, operieren die festen bestehenden Tracking-Instrumente und Inra mit Grundgesamtheiten auf einer eher die Gesamtbevölkerung repräsentierenden Basis.
 
Zu unterscheiden sind marken- und kampagnenbezogene Wirkungsmaße: Zu den markenbezogenen Parametern gehören die Markenbekanntheit, die Kaufbereitschaft sowie die Verwendung einer Marke. Weniger häufig wird auch das Image einer Marke erhoben. Die gängigsten kampagnenbezogenen Wirkungsmaße sind der Kampagnen-Recall und die Kampagnen-Sympathie. Einige Anbieter von Werbe-Trackings fragen zudem auch die Detailerinnerung an Werbeinhalte ab. Recall und Sympathie sollen primär die kommunikative Wirkung der Kampagne aufzeigen und erweisen sich in den meisten Studien als besonders reagibel. Der Einfluss des Werbedrucks auf diese Parameter lässt sich besonders anschaulich zeigen. Die Kaufbereitschaft sowie die Verwendung hängen von einer Vielzahl weiterer Faktoren ab, die neben der Werbung für das Produkt greifen: Der Preis, die Distribution, die bisherige Verwendung, aber auch Verwendungszyklen spielen hier offenkundig eine große Rolle. Daher reagieren diese Indikatoren eher mittel- bis langfristig auf die werbliche Maßnahme.
 
Die verbale Abfrage der Werbewirkungsmaße, wie sie ausnahmslos in allen Werbe-Trackings vorgenommen wird, geht zwangsläufig mit den üblichen Störvariablen wie der sozialen Erwünschtheit, möglichen Erinnerungslücken u.a.m. einher. Dies gilt jedoch in besonderem Maß für die Abfrage der medienspezifischen Werbeerinnerung, die im Rahmen einiger Tracking-Instrumente immer noch vorgenommen wird. Eine solche Abfrage, in der die Befragten angeben sollen, in welchem Medium sie Werbung für eine bestimmte Marke gesehen, gehört oder gelesen haben, stellt erwartungsgemäß zu hohe Anforderungen an die Erinnerungsleistung der Befragten und ist daher nur wenig valide.
 
Ein wesentlicher Unterschied zwischen allen betrachteten Tracking-Instrumenten besteht in der Durchführungsfrequenz und in der Durchführungszeit. Lediglich Niko-Werbe-lndex und Sat.1 AdTrend werden über einen kontinuierlichen Zeitraum von zwölf Monaten durchgeführt. Imas SRM Stochastic Reaction Monitor bietet auch kontinuierliche Durchführung unterhalb von zwölf Monaten, z.B. sechs oder acht Monate an. Alle anderen Instrumente bieten entweder eine wellenweise Erhebung an (Werbewirkungskompass und Media Observer) oder richten die Durchführung nach den Kundenbedürfnissen. Wobei es allerdings in manchen Fällen einen Hinweis auf eine empfohlene kontinuierliche Durchführung von mindestens einem Jahr gibt.
 
AdTrend fusioniert die erhobenen Fernsehnutzungsdaten mit den Daten aus dem GfK-Fernsehpanel. Die Fusion erfolgt quartalsweise mit drei Quartalen à drei AdTrend-Wellen und einem Quartal mit vier AdTrend-Wellen. Dabei erhält jeder Befragte der AdTrend-Stichprobe die Fernseh-p-Werte eines Partners aus dem GfK-Fernsehpanel. Die Übertragung der P-Werte erfolgt auf Werbeinselbasis pro Sender für 24 Stunden am Tag mal sieben Wochentage mal jeden Monat der Laufzeit. Für eine Kontakt-Gesamtdosis-Berechnung wird die Zeit vier Wochen vor Beginn der Feldlaufzeit bis zum Tag vor dem jeweiligen Befragungstag übertragen.
 
Diese Nutzungswahrscheinlichkeiten werden dann mit der Zahl der Schaltungen bis zum Zeitpunkt des Interviews verrechnet und ergeben in der Summe einen Schätzwert für die erzielten Kampagnenkontakte. Der Media Observer passt das erhobene Mediennutzungsverhalten an MA- bzw. GfK-Fernsehforschungsdaten an. Emnid adeffect nimmt lediglich einen Abgleich der Mediadaten mit den jeweils aktuellen MA-Daten vor.
 
Neben den großen kontinuierlichen Tracking-Studien, die in Deutschland auf dem Markt angeboten werden, haben viele größere Werbe- und Mediaagenturen eigene Wirkungsstudien entwickelt, über deren Methodik und Ergebnisse relativ wenig bekannt ist. Es liegt im wirtschaftlichen Interesse der Agenturen, über Einzelheiten dieser Studien nicht allzu viele Informationen an die Fachöffentlichkeit dringen zu lassen. Einige dieser Modelle sind: Battlefield von der Agentur Michael Conrad & Leo Burnett, Frankfurt am Main, Calcas von CIA, Campaign Monitor der Mediaagentur HMS & Carat, Wiesbaden, Communication Check von HMS & Carat, Discovermore der Mediaagentur More Media, Düsseldorf, Easy Go des Mediahauses Ströbel, Düsseldorf, Halcia von CIA, H.E.F.T. von der Mediaagentur Media Plus in München, Impact Control von Schmitter Media, Frankfurt am Main, Kampagnenkontrolle von der Mediaagentur MediaCom, Düsseldorf, Leo Stars von der Agentur Michael Conrad & Leo Burnett, Frankfurt am Main, MD-Modell-Optimizer von Mindshare, Frankfurt am Main, Media Observer des BBDO Media Team, Düsseldorf, bzw. von Mindshare und von der Mediaagentur Media Direction, Frankfurt am Main, MMM von der Media Direction, MP Ma.r.kt von der Mediaagentur Media Plus in München, Neural Awareness Planner von der Universal Media Direction, Frankfurt am Main, Opti-Impact und Optitrack von der Mediaagentur Optimedia, Düsseldorf, Performance Monitor und den Phasing Designer von der Mediaagentur Mindshare, Frankfurt am Main, TOM vom Mediahaus Ströbel, Düsseldorf, UniTrack von der Mediaagentur Universal Media Direction, Frankfurt am Main, Zoom Future, Zoom Maps und Zoom Menfis von der Agentur Zenith, Frankfurt am Main.
 
Literatur:
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Brown, Gordon: Tracking studies and sales effects. A U.K. perspective. In: Journal of Advertising Research, 25 (1), 1985, S. 52-64
Bruzzone, Donald E./Tallyn, Deborah J.: Linking Tracking to Pretesting with an "ARM". In: Journal of Advertising Research May/June 1997, S, 74 ff.
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Colman, S./Brown, Gordon: Advertising tracking studies and sales effects. In: Journal of the Market Research Society, Vol. 25, No. 2/1983, S. 165-183
IP Deutschland (Hrsg.): Werbemonitore im Vergleich. Köln 1998
Knecht, J.: Advertising tracking, Reclame en Onderzoek, Vol. 2, No. 1/1990
Machado da Conceicao, Luís Manuel: Werbewirkungsforschung. Single-source gegen Trackingstudien. Ein Überblick über die soziologischen Aspekte der Diskussion. Münster 1997
McDonald, Colin: Tracking Advertising and Monitoring Brands. Oxford 2000
Rice, Butch/Bennett, Richard: The Relationship between Brand Usage and Advertising Tracking Measurements: International Findings. In: Journal of Advertising Research May/June 1998, S. 58-66
Schröder, Susanne/Braun, Uwe: Und die bewegt sich doch – Über Lust und Frust im Umgang mit Tracking Daten. In: planung & analyse Heft 3/2002, S. 52-57
VDZ Die Publikumszeitschriften (Hrsg.): Werbe-Tracking-Instrumente. Eine Analyse der Standardinstrumente zur Werbeerfolgskontrolle. Bonn November 1999



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