
Ausgabe 04 / April 2010
DELPHI-STUDIE

Wir schreiben das Jahr 2024: In Deutschland sowie den USA und vielen Ländern Europas ist die "Rund um die Uhr"-Betreuung von Menschen, insbesondere älteren und pflegebedürftigen Patienten, in den eigenen vier Wänden mit Hilfe von Informationstechnologie-Systemen der medizinische Versorgungsstandard. Bei jedem vierten Bürger sind intelligente medizinische elektronische Implantate im Einsatz, die sich mit IKT-Systemen verbinden und austauschen. Schon fünf Jahre früher, im Jahr 2019, sind in Deutschland durch die Informationstechnologie in Verbindung mit Vitalfunktionsmonitoring völlig neue Formen der Prävention, Diagnose und Therapie möglich. Das erinnert an Orwell? Nein, das sind aktuelle Ergebnisse aus der Technologiestudie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien" von internationalen Experten.
Die Autoren der Studie sind sich sicher, dass gerade Deutschland hier einen besonderen Know-how-Vorsprung hat. Deutschland könnte zur internationalen Referenz für andere Länder werden, wenn der politische Willensbildungsprozess sowie die Aufklärungsarbeit geleistet würde. Obwohl bereits heute viele E-Health-Anwendungen technisch machbar wären, ist die Finanzierung ungeklärt, es fehlen Geschäftsmodelle, und die notwendige Infrastruktur müsste aufgebaut werden. Damit die Gesellschaft auch mit der technischen Entwicklung mithalten kann, müssen die Potenziale der Technik durch aktives Marketing bekannt und nutzbar gemacht werden. Parallel sollte über soziale Aspekte wie Vereinsamung oder das Gefühl von Technik-Abhängigkeit aufgeklärt werden. Auf jeden Fall ist gerade E-Health ein breites, innovatives Feld, in dem Deutschland sich international profilieren könnte. Know-how gibt es, Akzeptanz und Finanzierung müssen angegangen werden.
Die vollständige Studie kann kostenlos heruntergeladen werden unter medialine.de/ikt_2030. esPresso wird in loser Folge in den nächsten Ausgaben weitere Einzelaspekte der Studie aufgreifen. Unterstützt wurde die Studie durch Siemens, Vodafone, FOCUS, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung und IBM sowie im Rahmen des IT-Gipfel-Prozesses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

These: Durch IKT in Verbindung mit Vitalfunktionsmonitoring sind gänzlich neue Formen der Prävention, Diagnose und Therapie verfügbar
Aktuelle Erkenntnisse und einen Blick bis ins Jahr 2024 gewährt die internationale Delphi-Studie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien". Rund 550 IKT-Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden zu wesentlichen Entwicklungen ihrer Branchen für die kommenden zwanzig Jahre befragt. Die Herausgeber der Studie - Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest - wollen mit den Ergebnissen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Bedeutung und zukünftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien anregen. Basierend auf sehr detaillierten Analysen und Thesen geben die Herausgeber konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft.
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